PhotonDelta: Europäische Zusammenarbeit aus Brabant

Fehlende Investitionen, Zersplitterung von Aktivitäten und Unwissen waren Hindernisse beim Durchbruch der Photonik. PhotonDelta bietet eine Lösung. Lesen Sie hier wie.

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Dass die integrierte Photonik eine vielversprechende Technologie ist, eine Lösung für bestehende Probleme bietet und verschiedene neue Anwendungen ermöglicht, da sind sich alle einig. Fehlende Investitionen, Zersplitterung der Aktivitäten und unzureichende Kenntnisse potenzieller Anwender könnten einem echten Durchbruch jedoch im Weg stehen. Aber PhotonDelta arbeitet an einer Lösung.

PhotonDelta wurde 2016 als Projekt der Technischen Universität Eindhoven gegründet und wird von der Provinz Nordbrabant sowie vom Brainport Development unterstützt. Es ist ein Netzwerk, das aus einer öffentlich-privaten Zusammenarbeit hervorgegangen ist; die Partner setzen sich gemeinsam für die Umsetzung der Bestrebungen des landesweiten Plans für Photonik ein. Das Team, das PhotonDelta koordiniert, hat seinen Sitz am High Tech Campus in Eindhoven; was als Standort für diese Initiative logisch ist. Seit Juli 2018 entwickelt sich PhotonDelta als öffentlich-private Organisation zu einem der tonangebenden digitalen Innovationshubs Europas, wobei „man Forschung und Entwicklung aktiv mit bester Unternehmenspraxis verbindet“. Die Aktivitäten von PhotonDelta werden teilweise über das Operationeel Programma Zuid-Nederland (OP Zuid) von der Europäischen Union bezuschusst. Dieses Programm stimuliert Innovationen in drei niederländischen Provinzen, indem es Initiativen zwischen Industrie, Forschungsinstituten und staatlichen Institutionen fördert.

PhotonDelta forscht in Sektoren wie Agrarwirtschaft, Gesundheitswesen, Datenkommunikation und Luftfahrt; Teilbereiche, wo die Anwendung der Photonik Produkte viel leichter, billiger, schneller, nachhaltiger und kleiner machen kann. Dazu entwickelt die Organisation in Teams sogenannte Product Roadmaps, um Kenntnisse und relevante Technologien aufeinander abzustimmen und so die Time-to-Market zu beschleunigen. Photonik arbeitet häufig in Kombination mit Elektronik. Sie ist kein Ersatz.

Zerstörende Innovationen

Die Anerkennung, die PhotonDelta als einer der tonangebenden Innovationshubs Europas erlangt hat, wurde dem Unternehmen hauptsächlich zuteil, indem es Anschluss an bestehende Innovationen suchte, diese erweiterte und mit neuen Initiativen verband. Das alles aufgrund des Bewusstseins, dass eine zersplitterte Vorgehensweise in Europa nie zu einer Expansion, geschweige denn zu einer guten Position gegenüber Mitbewerbern aus Asien und Amerika führen würde. „Zerstörende Innovationen entstehen, wenn junge Unternehmen in diesem Sektor Zugang zu Kenntnissen erlangen, die bereits bei Hightech-Unternehmen und Organisationen für angewandte Forschung vorhanden sind“, meint Ewit Roos. PhotonDelta ist dabei Vorreiter.

Viel von ihrer Energie steckt PhotonDelta in Überzeugungsarbeit staatlicher Institutionen sowie von Marktparteien, damit sie in diese neuen Technologien investieren. In den vergangenen zehn Jahren wurde die Gewährung von Zuschüssen zur Förderung von Forschung und Innovationen bei den KMU bereits auf etwa 100 Millionen Euro jährlich verzehnfacht. „Aber wir wissen alle, dass das Tempo noch höher sein könnte, wenn der Betrag zehn- bis zwanzigmal so hoch wäre. Das ist in den USA und in Teilen Asiens bereits der Fall. PhotonDelta ergreift also die Initiative, um daran in Europa etwas zu ändern.“

Lichtteilchen als Elektronik-Ersatz

Fest steht für Ewit Roos die Bedeutung der integrierten Photonik, sowohl technologisch als auch gesellschaftlich. „Wenn die Weiterentwicklung der heutigen Generation Chips ins Stocken gerät, werden Lichtteilchen - also Photonen - anstatt Elektronen der Motor sein, der neue technologische Errungenschaften ermöglicht.“ Zahlreiche Photonikunternehmen stießen jedoch, meint er, bei der Produktion der erforderlichen photonischen integrierten Schaltkreise, der so genannten PICs, heute an ihre Grenzen. „Die Produktionserträge müssen wachsen, genau wie die Zuverlässigkeit solcher Chips. Und wir brauchen Normen für deren Verpackung: die Verbindung von Photonikchips mit der Außenwelt. PhotonDelta will sich diesen Herausforderungen stellen und so weltweit bei integrierten Photoniksystemen eine führende Rolle spielen.“

Geschätzte 80% des Photoniksektors der EU besteht aus innovativen kleineren und mittleren Unternehmen. PhotonDelta unterstützt sie bei der Erweiterung. Ewit: „Wir beschäftigen uns derzeit mit der Verbindung und der Koordination von Initiativen, sodass wir sie dabei unterstützen können, das schneller zu bewerkstelligen. Unsere Anstrengungen gelten dem Anbohren neuer Quellen für Finanzierungs- und Forschungsmittel, die bisher außer Betracht geblieben sind.“ Ende 2018 holten die Vertragspartner 236 Millionen Euro ein, um in der Periode bis 2026 das Wachstum von Unternehmen sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen in den Niederlanden zu ermöglichen. Derzeit arbeiten wir am Zustandekommen eines Photonic Innovation Hubs als Teil des europäischen „Horizon2020“, was dabei hilft, die führende Position von PhotonDelta in europäischen Netzwerken zu verstärken und Finanzierung einzuholen.

Die führende Position von Eindhoven

Zufall ist es nicht, dass sich der Hauptsitz von PhotonDelta in Eindhoven befindet. Hier nämlich befinden sich bereits verschiedene Unternehmen und Forschungszentren der Weltklasse rund um die Photonik, genau wie es übrigens in den Regionen um Nimwegen und Twente der Fall ist. „Im Bereich der Optik, der photonischen Integration sowie der Nanotechnologie haben wir eine führende Position erlangt. Aber um von unserer weltweiten Bedeutung nichts zu verlieren, müssen wir Zusammenarbeit so viel wie möglich stimulieren. Und der jetzt drohenden Zersplitterung Einhalt gebieten.“

 

Foto: Peter van Trijen

„Ziel ist es, den Kaufmannsgeist junger Unternehmen mit den Kenntnissen von Großunternehmen zu verbinden.“

Den nächsten Schritt sieht Ewit in der Einbeziehung von Unternehmen, die derzeit den Nutzen der Photonik noch nicht ausreichend einsehen. „Es ist jetzt an der Zeit, nicht-photonische Unternehmen anzusprechen, die, denken wir, in der ein oder anderen Form von der integrierten Photonik profitieren können oder die uns bereits um Unterstützung bei der Ausweitung ihres Unternehmens gebeten haben. Ziel ist es, den Kaufmannsgeist junger Unternehmen mit den Kenntnissen von Großunternehmen zu verbinden.“

Intelligente und saubere Industrie

Die Provinzverwaltungen von Nordbrabant, Overijssel und Gelderland haben sich bereits für die europäische Photonikindustrie stark gemacht, stellt Ewit fest. „Die vierte industrielle Revolution Europas beginnt in den Regionen, wo Forscher und Unternehmer produktiv an Innovationen zusammenarbeiten. Photonik ist eine intelligente und saubere Industrie. Es herrscht ein Bewusstsein für die Dringlichkeit, den nächsten Schritt zu setzen. Wir haben einen Vorsprung, aber wir dürfen nicht vergessen, dass andere Länder uns auf den Fersen sind - und dass die Mitbewerber aus anderen Teilen der Welt mit hunderten Millionen unterstützt werden.“

Foto: Peter van Trijen

Wenn die Vorteile der Photonik gegenüber der herkömmlichen Elektronik irgendwo deutlich werden, dann ist das in den Industriezweigen, wo Gewicht, Platz, Geschwindigkeit oder Energieverbrauch eine bedeutende Rolle spielen. In der Flugzeugindustrie kommen all diese Aspekte zusammen. Es ist nicht verwunderlich, dass sich Akteure aus dieser Industrie für die Technologie unserer Unternehmen interessieren, bei der Sensoren in einem Flugzeug verarbeitet werden, die Messergebnisse zu unterschiedlichsten Funktionsbereichen liefern können. Normalerweise benötigt man dazu pro Sensor drei Kupferdrähte, was aber ein unakzeptables Ausmaß an Gewicht und Platz erfordern würde. Mit Photonikchips ließe sich das - Glasfaserleitungen bereits eingerechnet - mit nur ein paar hundert Gramm zusätzlichem Gewicht realisieren.

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