Innovatives Energiesystem für Hochhäuser nutzt Sonne und Wind

Die Story von PowerNEST: Wie ein schwieriger Mittelschüler zum Dr.-Ing. wurde und einen revolutionären Energiegenerator für Hochhäuser entwickelte.

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Echte Erneuerer sind auch immer ein wenig rebellisch. Ohne Scheu, abseits der ausgetretenen Pfade zu gehen. Oder sogar frontal gegen den Strom zu schwimmen. Alexander Suma – Gründer von IBIS Power und Erfinder des PowerNEST – hat auch ein wenig das Äußere eines Lausebengels. Man sieht es geradezu vor sich – wenn er mit einem schelmischen Funkeln in den Augen von seiner Schulzeit redet – wie schwierig er damals war. So schwierig sogar, dass man ihm nach der dritten Klasse freundlich aber bestimmt nahelegte, doch bitte abzugehen.

Doch nach drei Jahren Mittelschule hatte er einen Abschluss, mit dem er an die Technische Fachoberschule (HTS) übergehen konnte. „Schule hat mir keinen Spaß gemacht“ sagt der Mann, der an der Technischen Universität Eindhoven (TU/e) zwei Master gleichzeitig machte und in Miami im Bauingenieurwesen promovierte. Es war sein Physiklehrer an der Technischen Fachoberschule, der erkannte, dass der Junge, der eine Fünf oder Sechs nach der anderen schrieb – „weil es ihn Null interessierte“ – eigentlich viel mehr in petto hatte. „Du setzt dich jetzt ganz vorne in die Klasse und schreibst nur noch Zweien, sonst kriegst du Ärger mit mir“, sagte er. Das hat Eindruck auf mich gemacht. Alexander Suma kichert: „Er war ein ziemlicher Kleiderschrank“. „Ab der Zeit lief es ausgezeichnet und es fing auch an, mir Spaß zu machen.“

Lösungen von der Natur abgucken

„Für mich war es immer sehr wichtig, Eindruck zu machen“, erkennt er rückblickend. „Mehr sein als nur eine Nummer. Das blieb auch später auf der Technischen Fachoberschule und der Technischen Universität so.“ Als sein Diplomarbeitsprojekt an der HTS in der Presse hervorgehoben wurde, werden im zwei der drei Dinge klar, die den weiteren Verlauf seiner Karriere bestimmen sollten: dass er die Kombination von Bauingenieurwesen und Architektur äußerst interessant findet. Und dass er zu einer besseren Welt beitragen will – und das auch kann. Es motiviert ihn dazu, „einen Zahn zuzulegen“ und an die TU/e zu gehen. Hier ermutigt ihn seine Dozentin Bauingenieurwesen Monique Bakker, seiner Leidenschaft zu folgen und in der Natur nach Lösungen zu suchen. Der dritte „entscheidende Faktor" für das, was zum preisgekrönten PowerNEST führen wird: einem nachhaltigen Energieerzeuger für Hochhäuser.

Verärgerte Vermieterin

Das PowerNEST nutzt die Sonne und den Wind. Natürliche Elemente, die in Miami reichlich vorhanden sind, wo Alexander Suma die Idee für sein innovatives Energiesystem bekommt. Der Auslöser: eine Rüge seiner Landlady, weil er die Klimaanlage ausgeschaltet hat, als er in die Niederlande in den Urlaub fuhr. „Da wurde mir klar, dass die Dinger in Florida ständig laufen. Die Häuser haben auch alle sehr kleine Fenster, sodass so wenig Sonne wie möglich hineinkommt. Obwohl man die Sonne und den Wind auch nutzen kann." Das geht ihm durch den Kopf, als er einen Prüfungsauftrag für das Fach Sustainable Construction ausführen soll. Während einer langweiligen Vorlesung macht er ein paar Skizzen und damit wurde die Idee für das PowerNEST geboren: eine Anlage für Hochhäuser, die sowohl Solarmodule als auch eine Windturbine umfasst und gleichzeitig die Optik des Gebäudes berücksichtigt. Alexander Suma: „Zwischen hohen Gebäuden ist der Wind immer stärker als anderswo. Das liegt am Venturi-Effekt. Mit einer Turbine, als von Menschen erdachte Ergänzung, nutzt das PowerNEST optimal die Intelligenz der Natur." 

„Ich durfte das nicht einmal mit meiner Mutter besprechen, um das Patent nicht zu gefährden."

Gold in den Händen

Aus Alexander Sumas Sicht ist es eine sehr logische Lösung; nichts, worüber man viel Aufhebens machen müsste. Er ist daher sehr erstaunt, als Bart Chernow, der Vice-Provost der University of Miami, dem er von seiner Idee erzählt, sofort die Tür schließt, einen Patentanwalt hinzuzieht und ihn zu strikter Geheimhaltung anhält. „Er meinte, ich hielte Gold in den Händen und ich dürfte das nicht einmal mit meiner Mutter besprechen, um das Patent nicht zu gefährden." Von diesem Moment an wird er persönlich gecoacht und einige Wochen später hält er bereits eine Präsentation vor einer Gruppe von Angel Investors. Auch wird ihm ein Forscherteam zur Seite gestellt. Bis zu seiner Promotion arbeitet Alexander Suma mit der Universität von Miami zusammen. Aber als er erkennt, wie viel Mühe es nichtamerikanische Kollegen kostet, in den USA bleiben zu können, er zudem eine Stelle in den Niederlanden angeboten bekommt und die Europäische Union Fördermittel für die weitere Entwicklung des PowerNEST zur Verfügung stellt, fällt die Entscheidung für eine Rückkehr nach Eindhoven leicht.

Start IBIS Power auf dem High Tech Campus

An der TU/e ist die Produktentwicklung im Gange und schreitet gut voran. Das Team gewinnt mehrere Innovationspreise. Das ermöglicht, einen ersten Prototyp zu bauen und ein Unternehmen zu gründen. Im November 2012 gründet Alexander Suma IBIS Power – benannt nach dem Vogel Ibis, der genau wie sein Unternehmen auf clevere Art den Wind nutzt. Verschiedene Organisationen in der Region, darunter Brainport Development, bieten Unterstützung an. Der High Tech Campus stellt Räumlichkeiten zur Verfügung.

Doch um die erforderlichen Schritte zu gehen, hin zu einem realisierbaren, erschwinglichen Produkt mit höchstmöglicher Effizienz, bedarf es mehr. Als Alexander Suma durch hohe europäische Fördermittel 2015 in die Lage versetzt wird, sein Team auf 15 Mitarbeiter aufzustocken, nimmt die Sache Fahrt auf. Ein Jahr später wird im Eemshaven in Groningen die erste Anlage installiert. Ein großer Moment für den Erfinder: „Dass etwas, was man sich ausgedacht und geplant hat, da plötzlich steht und einem so viele Menschen dabei helfen, daraus einen Erfolg zu machen!“

Widerstände

Es gibt auch Widerstände. „Die Reaktionen auf das PowerNEST waren sehr unterschiedlich", sagt Alexander Suma im heutigen Büro von IBIS Power auf dem Gelände Striip-S. „Die Leute waren entweder total begeistert oder sie waren vollkommen davon überzeugt, dass dies nicht funktionieren konnte und versuchten sogar zu verhindern, dass es zu einem Erfolg wird.“ Als die Ergebnisse der ersten kompletten Anlage in Groningen noch besser ausfallen als erwartet, fordert er über Social Media fünf Personen dazu heraus, zu versuchen, sein Produkt schlecht zu machen. „Die fünf Leute meldeten sich innerhalb eines Tages. Ich gab ihnen vollen Einblick in alle Pläne und Modelle und erstellte zusammen mit ihnen eine Online-Präsentation. Sie konnten mir genau sagen, was andere in Frage stellen würden und was sie wissen müssten, damit man sie überzeugen kann. Nach der Präsentation habe ich nichts mehr von den Kritikern gehört. Aber es berührt einen doch.“

Auch bei ungünstigen Windverhältnissen ausreichender Energieertrag

Nach einem Jahr Test in Groningen wird 2017 erstmals ein PowerNEST in städtischer Umgebung installiert – auf einem Wohnhochhaus in Utrecht. Alexander Suma: „Viele Leute dachten, dass das PowerNEST nur an der Küste funktionieren würde. Anfangs dachten wir selbst auch, dass es in der Stadt vielleicht nicht windig genug ist. Aber der Test in Utrecht zeigte, dass das PowerNEST auch bei ungünstigen Windverhältnissen mehr leistet, als wir vorab berechnet hatten. Und dass die Anwohner keine Beeinträchtigungen erfahren – eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz in Wohngebieten."

Ein jüngstes Highlight ist die Installation einer Anlage auf dem Dach des Zadkine Techniek College Rotterdam. Neben der Versorgung des Schulgebäudes mit grünem Strom bietet das PowerNEST den Schülern die Möglichkeit, praktische Erfahrungen mit innovativer Energietechnik zu sammeln.

Niederländischer Markt für erneuerbare Energien „unreif".

Obwohl er viel Freude daran hat, unternehmerisch tätig zu sein, erfährt Alexander Suma den größten Widerstand, wenn es um den Verkauf seines Produkts geht. Er führt das vor allem auf die „Unreife" des niederländischen Marktes für erneuerbare Energien zurück. „Viele Leute begreifen immer noch nicht, in welche Richtung es gehen muss", sagt er. "Und wenn sie es begreifen, sind sie häufig nicht bereit, dafür zu bezahlen." Doch das hat ihm beigebracht, wie man entsprechend mit Rückschlägen umgeht. „Darin bin ich inzwischen geradezu ein Ass geworden. Ich bleibe positiv, sehe den Humor der Sache ein und suche – wenn der gewählte Weg eine Sackgasse ist – gemeinsam mit anderen nach neuen Möglichkeiten und Chancen." Um Gebäudeeigentümer zu überzeugen, änderte das Unternehmen sein Geschäftsmodell ab. „Wir wenden jetzt das ESCo-Modell (Energy Service Company) an, bei dem wir alle Installations- und Wartungskosten tragen und die Bewohner ihre Energiekosten mit uns abrechnen. Damit entlasten wir die Gebäudeeigentümer.“

Wind- und Solarenergiesystem für Katastrophengebiete

Ab jetzt geht es steil bergauf, prophezeit Alexander Suma. Es laufen bereits Projekte in unter anderem den Vereinigten Staaten und Dubai sowie auf Aruba und Bonaire. Und Anfang des Jahres wurde PowerNEST zum Finalisten für die Wahl der neuen „National Icons“ nominiert: niederländische Lösungen für globale Themen in den Bereichen Gesundheit, Energie, Digitalisierung, wiederverwendbare Materialien und Mobilität. Doch den Erfinder fängt es schon wieder an zu jucken. „Jetzt bin ich gerade mit Leidenschaft mit der Entwicklung eines anderen Produkts von IBIS Power beschäftigt. Einem Wind- und Solarenergiesystem für Katastrophengebiete: dem PowerRESPONSE. Es handelt sich dabei im Prinzip um ein PowerNEST in einem Container. Auf Knopfdruck öffnet sich das Dach und es richten sich Windkraftanlagen und Solarmodule auf, die sofort Energie für z.B. Kommunikationsgeräte oder Kühlschränke für Medikamente liefern." Das erste PowerRESPONSE ist fast fertig und wird, wenn es nach Alexander Suma geht, demnächst nach Sint Maarten geschickt. Eine bessere Welt ist nachhaltig, aber bietet vor allem Sicherheit.   

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Artikel zuletzt aktualisiert am 10 September 2019.

 

 

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