Biorizon - Monique Wekking tijdens Groen Licht

Biorizon: Aromaten aus Biomasse

Das Shared Research Center Biorizon stellt Grundstoffe für die chemische Industrie her, jedoch grün und nachhaltig. Lesen Sie, wie man dazu organische Abfälle verwendet! Die Inhalte der Brabant Brand Box dürfen kostenlos für positive Darstellungen von Brabant verwendet werden.

Wir befinden uns in einer Versuchsfabrik. Es ist 2021. Auf dem Fließband liegen Berge weißer, daunenartiger Flocken. Ist das Kunstschnee? Sind es Federn? Nein, das daunenartige, weiche Material stammt aus Windeln. Aus gebrauchten Windeln, wohlgemerkt! „Die werden gereinigt und steril von Abfallverwertern angeliefert. Wir stellen daraus Grundstoffe für die chemische Industrie her und leisten so einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Und das ist nur ein Beispiel der Wiederverwertung organischer Abfälle von Biorizon.“

Das sagt Monique Wekking, Senior Business Developer bei der niederländischen Organisation für angewandte naturwissenschaftliche Forschung TNO und dem Shared Research Center Biorizon. Biorizon befindet sich am Green Chemistry Campus (GCC) in der Gemeinde Bergen op Zoom, wo junge Tech-Unternehmen Grundstoffe aus pflanzlichen Reststoffen entwickeln. Ziel: Sowohl die wirtschaftliche Nutzung solcher Grundstoffe als auch die Förderung der Nachhaltigkeit in der chemischen Industrie. Monique bringt mit Herz und Seele Parteien zueinander, um gemeinsam an diesen weltweiten Herausforderungen zu arbeiten.

Green Chemistry Campus in Bergen op Zoom, photo Merlin Daleman
Foto: Merlin Daleman

Alternativen für fossile Grundstoffe

Monique erzählt voller Begeisterung weiter. „Um dem Klimawandel entgegenzuwirken, müssen wir Alternativen für fossile Grundstoffe finden und den CO2-Ausstoß vermindern. Die chemische Industrie will nachhaltiger werden, auch weil Verbraucher das verlangen. Wir von TNO mit unserem Know-how möchten gern dazu beitragen. Also haben wir mit dem belgischen VITO und dem niederländischen Energieforschungszentrum ECN Biorizon gegründet, um eine nachhaltige Alternative für Aromaten zu entwickeln. Das sind für die chemische Industrie wichtige Grundstoffe: 40 % aller Chemikalien sind aromatischer Art.“ Aromaten werden unter anderem in Schmierstoffen, Kunststoffen, Coatings und Farbe eingesetzt.

"Für einen Einzelnen sind solche nachhaltigen Innovationen zu teuer. Deshalb teilen wir Forschung und Entwicklung, sowohl Kosten als auch Erträge"


Wiederverwertbare Abfälle

Gemeinsam mit Abfallverwertern und anderen wichtigen Partnern der Kette untersucht TNO verschiedene Abfallströme auf Nutzbarkeit: Biomüll, Mist, Füllungen von Windeln und Inkontinenzmaterial sowie Feststoffe aus Abwasser. Mit dem letztgenannten sind Reste der Abwasser-Klärung gemeint, die hauptsächlich aus WC-Papier-Fasern bestehen. Monique: „Die Abfallindustrie interessiert sich stark für unsere Innovationen. Aber für einen Einzelnen wäre es zu kompliziert und zu teuer, um sie auf den Markt zu bringen. Deshalb arbeiten wir auf die Shared-Research-Weise von Biorizon gemeinsam daran, zusammen mit der Industrie. Um heute die Kosten zu teilen und später auch die Erträge.“

Waste2Aromatics

In einem ihrer Projekte mit unter anderem der Abfallindustrie, „Waste2Aromatics“, verwendet Biorizon Zucker aus organischen Abfällen zur Herstellung von Furan. Furan ist der erste Schritt für Bioaromaten. In einem anderen Projekt, BIO-HArT, setzt TNO gemeinsam mit der chemischen Industrie und anderen Forschungseinrichtungen Furan in Bioaromaten um. Und damit verfügt die chemische Industrie zum ersten Mal über eine nachhaltige Alternative. Ein wichtiger Schritt zu einer Kreislaufwirtschaft und weniger CO2-Ausstoß.

Kommerzielle Herstellung von Bioaromaten

Biorizon hat zum Ziel, 2025 die kommerzielle Herstellung von Bioaromaten zu ermöglichen, als Teil der biobasierten Wirtschaft. Die Aussichten sind positiv, die Forschungsarbeit ist jedoch kostspielig. Monique: „Deshalb freuen wir uns über die 5 Millionen Euro, die wir kürzlich von der Provinz Nordbrabant erhalten haben. Damit, und mit den Investitionen von TNO, Vito, ECN und der Industrie, kann Biorizon die Herstellung von Bioaromaten auf die gewünschte kommerzielle Ebene heben.“

Weniger Abfall, weniger CO2

Derzeit verwendet die chemische Industrie Aromaten aus Erdöl. Und das, obwohl sich 25 - 30 % der organischen Abfälle zur Herstellung von Bioaromaten eignen. Monique: „Die geringere Abfallmenge würde also eine sauberere Umwelt bedeuten, aber auch eine enorme CO2-Reduzierung um zwischen 50 und 75 %. Das Tolle ist, dass wir mit TNO-Technologien auch Bioaromaten aus nicht-fossilen Grundstoffen herstellen können - und die ergeben ein besseres Produkt. Das haben unsere Industriepartner bereits getestet, beispielsweise in Coatings. Noch ein zusätzlicher Vorteil der biobasierten Wirtschaft.“

Steigende Nachfrage nach Aromaten

In der chemischen Industrie steigt die sowieso schon große Nachfrage nach Aromaten jährlich um etwa 5 %. Aus all den organischen Abfällen Europas ließen sich jährlich 5 - 15 Millionen Tonnen Bioaromaten herstellen. Monique: „Diese Abfälle werden derzeit vergärt, kompostiert oder verbrannt. Die Verwertung von Mist, Biomüll, Windelkernen sowie Feststoffen aus Abwasser zu Furan und Bioaromaten ist neu; es ist eine echte biobasierte Initiative.“

"Voriges Jahr bin ich Mutter geworden, ich weiß, wie hoch der wöchentliche Windelverbrauch ist"


Abfälle werden Grundstoffe

Monique sieht für die Zukunft große Veränderungen in der Abfallindustrie. „Das gesamte Entsorgungssystem wird sich ändern. Abfälle sind dann nicht länger unverwertbare Reststoffe, die man vernichten muss, sondern wertvolle Grundstoffe. Sobald es gute und gewinnbringende Technologien gibt, um beispielsweise Windeln zu neuen Grundstoffen zu verarbeiten, werden sie auch von mehr kommunalen Abfallverwertern getrennt eingesammelt.“ Lachend: „Ich bin voriges Jahr Mutter geworden. In kürzester Zeit habe ich Riesenmengen an Windeln verbraucht. Alles gute Grundstoffe! Mein Baby macht meine Arbeit noch wertvoller. Man will doch, dass die Kinder und Enkel in einer genauso schönen Welt aufwachsen können wie man selbst.“

Biorizon, photo Melchert MzS
Foto: Melchert Meijer zu Schlochtern

Versuchsfabrik für Bioaromaten

Monique Wekking und ihre Kollegen von TNO arbeiten derzeit auch an Plänen für eine Versuchsfabrik für die Herstellung von Bioaromaten, möglicherweise mit dem Green Chemistry Campus als Standort. „2021 läuft die Pilotfabrik hoffentlich auf Hochtouren. Unser Businessplan sieht gut aus. Und ist die Versuchsfabrik ein Erfolg, dann wird die erste Fabrik für Bioaromaten folgen. Wer weiß, vielleicht wird die dann auch in der Provinz Nordbrabant stehen!“

Monique Wekking und ihre Kollegen von TNO arbeiten derzeit auch an Plänen für eine Versuchsfabrik für die Herstellung von Bioaromaten

Foto: Melchert Meijer zu Schlochtern

Partner Biorizon

Biorizon ist eine Zusammenarbeit der niederländischen Organisation für angewandte naturwissenschaftliche Forschung TNO, des belgischen VITO, des niederländischen Energieforschungszentrums (ECN) und des Green Chemistry Campus. 

Partner Waste2Aromatics

Im Waste2Aromatics-Projekt arbeiten folgende Organisationen zusammen: TNO, AEB, Twence, Orgaworld, Waternet, Knowaste, STOWA, Vereniging Afvalbedrijven, Port of Amsterdam, SABIC, Biobased Delta und Zeton. TNO koordiniert das Projekt; die Finanzierung kommt u.a. von TKI Chemie.

Partner BIO-HArT

Im BIO-HArT-Projekt arbeitet TNO zusammen mit VITO, Avantium, Chemelot InSciTe, der Universität Antwerpen, der KU Leuven, Bio Base Europe Pilot Plant, der Technischen Universität Eindhoven, der Maastrichter Universität sowie dem DSM Materials Science Center. TNO koordiniert; Interreg V Flanders-The Netherlands ist einer der Geldgeber.

Pflanzliche Grundstoffe aus Abfällen: Zahlen & Fakten

Das Potenzial für eine biobasierte Wirtschaft ist enorm, wie aus folgenden Zahlen hervorgeht:

  • Europa: 214 Millionen Tonnen Hausmüll pro Jahr
  • Niederlande: 59 Millionen Tonnen Hausmüll pro Jahr (bzw. 500 kg pro Kopf)
  • Ein Kind verbraucht im Schnitt 4000 - 6000 Windeln
  • Ca. 3 % des gesamten Hausmülls besteht aus Windeln
  • 25-30 % des Hausmülls besteht aus potenziell wiederverwertbarem organischen Material
  • Aus europäischem Hausmüll können jährlich 5 - 15 Millionen Tonnen Bioaromaten gewonnen werden (Grundstoffe für u.a. Farbe und Schmiermittel)
  • Weltweite Nachfrage nach Aromaten pro Jahr: ca. 90 Millionen Tonnen
  • Verwendung von Bio-Grundstoffen (gegenüber fossilen) führt zu einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 50 - 75 %

Für weitere Informationen siehe:

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