Pieter Hoff von Groasis aus Steenbergen

Im Gespräch mit Pieter Hoff von Groasis aus Steenbergen. "Wir lassen Bäume wachsen, wo es sonst noch nie jemand geschafft hat."

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Out of the Boxx

Bäume nicht abholzen, sondern anpflanzen. Das bringt wirtschaftlich schwachen, trockenen Ländern Wohlstand. Den CO₂-Ausstoß vermindern und den Wassermangel beheben. Über ‚intelligente‘ Eimer, kapillare Wassertransportsysteme und den Wert einer nationalen Ikone. Im Gespräch mit Pieter Hoff von Groasis aus Steenbergen. „Wir lassen Bäume wachsen, wo es sonst noch nie jemand geschafft hat.“

Froh und aufgeregt war Pieter Hoff aus Steenbergen. Nach zwei Jahren intensiver Tests in den Niederlanden funktionierten seine handgefertigten ‚intelligenten Eimer‘. Darin wollte er mit einem um 90 % geringeren Wasserverbrauch Bäume in überwiegend sehr heißen Ländern wachsen lassen. Nun fehlte nur noch die Feinabstimmung der Eimer auf ein knochentrockenes Klima, wusste er. Denn darum ging es ihm ja schließlich. Also zog er 2005 mit 25 seiner smarten Eimer in die Sahara. Um mit der Universität von Oujda – der dieser Wüste nächstgelegenen Stadt – zusammenzuarbeiten. Nach vier Jahren hatten sie es geschafft: „Wir sahen, dass trotz der Hitze 88 % der Bäume im Wüstenboden gediehen. 100 Liter Wasser brauchte man dazu insgesamt pro Jahr. Viel weniger als bei der Tropfbewässerung, bei der ein Baum sein Leben lang täglich 15 Liter braucht. Da beschlossen wir, in die Herstellung von Kunststoffmatrizen, die wir als Behälter für die Bäume benötigten, zu investieren. Wir konnten weitermachen.“

Foto: Melchert Meijer zu Schlochtern

Tausende Inseln

Er hatte es bereits in sich. Ein Straßendorf zwischen Hoorn und Enkhuizen im Norden Hollands, damals umgeben von tausenden kleinen Inseln mit unzähligen kleinen Äckern, die sich nur per Kahn erreichen ließen. Bauernhöfe lagen an den Querwasserstraßen, die in die durchgehenden Wasserläufe mündeten. Auf manchem Acker wurde Frühgemüse angebaut. Andere wurden zum Anbau von Blumenzwiebeln und Pflanzkartoffeln genutzt. Ein wunderschönes Gebiet, das fast vollständig verschwunden ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand man vor der Wahl: Landwirtschaft oder Tourismus. Das war einfach. In den Poldern Westfrieslands drehte es sich um Arbeit und um Arbeit. Mit 80-Stunden-Wochen. Also hier kein Tourismus, kein ‚Venedig des Nordens‘. Örtliche Entscheidungsträger, häufig selbst Bauern, entschieden sich für die Agrarwirtschaft, für Flurbereinigung und Mechanisierung und somit für direkten Wohlstand.

Gott und die Welt

Hoff strahlt, wenn er an seine Kindheit zurückdenkt. Zwei Jahre war er damals, da stand er schon auf dem Land, um bei der Kartoffelernte Kisten auszuteilen. „Sobald ein Kind laufen konnte, sagte der Vater: ‚Spielst du mit?‘, was aber bedeutete: ‚An die Arbeit!‘. Allen Bauernkindern wird das bekannt vorkommen. Wenn wir zur Schule gingen, trugen wir Stiefel.“ Klassenkameraden standen um fünf auf; sie mussten ‚unter die Kühe‘. Oder Tulpen roden, Rote Bete ziehen, Gladiolen entlauben: „Was auf dem Land geschah, wurde auf dem Schulhof besprochen. Dass man gerade Tulpen köpfte, oder danach suchte. Man redete also über Gott und die Welt. Einen Fernseher gab es noch nicht.“ Er kann sich noch daran erinnern. Mit seinem Vater zu den Milchviehtagen in Liempde, dem wichtigsten agrarischen Event unseres Landes. Beeindruckt von den allerneuesten Traktoren. „Was sich in der Landwirtschaft in den USA in den zwanziger Jahren vollzogen hatte, erfolgte mit der Mechanisierung in den Niederlanden in den Fünfzigern und Sechzigern. Die Landwirte ernährten die Niederlande des Wiederaufbaus. Daran durfte ich teilhaben.“

Blumen, Rüben und Kartoffeln

Er besuchte die Mittelschule und machte anschließend eine Ausbildung an der mittleren Gartenbaufachschule in Hoorn; später belegte er einen Kurs über Pflanzenzüchtung in Wageningen. 1970 übernahm er gemeinsam mit seinen beiden Brüdern den gemischten Betrieb seines Vaters. „Auf dem Land erhielt ich eine sehr umfassende praxisorientierte Ausbildung. Wir hatten zu Hause 14 ha Pflanzkartoffeln, 20 ha Tulpen und 15 ha Lilien.“ Bereits bald beschlossen die drei Brüder sich auf Lilien zu spezialisieren, auf Schnittlilien. Hoff Quality First entwickelte sich zur Nummer zwei der Lilienzüchter unseres Landes, nach Vletter & De Haan aus Rijnsburg. „Sie waren der Johan Cruijff, wir der Ruud Krol.“ Das verdanken wir Jan de Graaff aus Gresham, Oregon. Ein emigrierter Niederländer aus einem namhaften Blumenzwiebelgeschlecht aus Lisse. Ein Genie, so nennt Hoff ihn. „Er wusste wilde Lilien nach Jahren so zu züchten, dass sie sich verpacken und somit auch verkaufen ließen.“ Die Pflanze wurde ein Hit. Ein Stiel, viel Volumen. „Sie füllt so manchen Blumenstrauß. Ein Moneymaker.“

Steenbergen

Ihm wurde es bei Hoff Quality First zu klein. Hoff wollte gern umziehen, am liebsten auf Sandboden; dass Lilien im Herbst geerntet werden, war ein Mitgrund. Lehmboden eignet sich nicht für eine automatisierte Ernte in der Jahreszeit. „Hoff schaute sich im Noordoostpolder um und in Breezand, Lelystad sowie in Steenbergen. Ein Spaziergang im benachbarten Bergen op Zoom überzeugte ihn sofort. „Wir fühlten uns dort sofort zu Hause, ja, die Stadt ähnelt Hoorn sogar.“ 1987 zog ein Teil des Unternehmens um. 14.000 m2 Gewächshäuser blieben in Hem. Für die Zucht und die virusfreie Vermehrung der Lilien. Denn die Nachfrage nach dieser Blume wuchs auch weiterhin. Man entwickelte immer wieder neue Farben und Eigenschaften, für jedes Land und jedes Klima geeignet. Aber je mehr Hoff reiste, desto mehr er auch mit dem zunehmenden Wassermangel konfrontiert wurde. Und das bereitete ihm immer mehr Kopfzerbrechen. „Landwirtschaft und Gartenbau sind weltweit für 73 % des gesamten Wasserverbrauchs verantwortlich, in Afrika sogar für 85 %. Und dafür war ich mitverantwortlich.“

Sinkender Grundwasserspiegel

Ende der neunziger Jahre war er der Einzige, der sich über den sinkenden Grundwasserspiegel Gedanken zu machen schien. In manchen Ländern ging es sogar um über einen Meter pro Jahr. Dennoch stand das auf keiner einzigen politischen Agenda. Mit Ausnahme der Provinz Nordbrabant. Der will er deshalb ein Riesenkompliment machen. Hoff: „Dort waren sie weltweit bei den Ersten, die in den neunziger Jahren beschlossen, alle Wasserquellen zu nummerieren. Bauern, Gärtner und Agrarier mussten obligatorisch ihren Wasserverbrauch melden. Wasserknappheit als Politik: Hut ab! Vor allem im Vergleich zu der Verschwendung in anderen Ländern, wo es viel trockener ist.“

Mais

Hoff entschied sich 2003 zum Verkauf seines Unternehmens. Er war 50 und hatte nach all den Jahren wieder Lust auf etwas Neues. „Ich wollte das Problem des Grundwasserspiegels angehen. Wie können wir Pflanzen in trockenen Regionen mit geringerem Wasserverbrauch und ohne Tropfbewässerung doch überleben lassen. Groasis taufte er sein Unternehmen. Dazu wurde er nicht nur vom Idealismus getrieben. „Ich fühle mich mit Agrariern verbunden. Es tut mir weh zu sehen, dass sich viele in Entwicklungsländern nicht gut entwickeln können. Ein Vergleich: „Bauern in Entwicklungsländern erzeugen mit 365 Tagen Sonne auf sehr fruchtbarem Vulkanboden im Schnitt zehn Tonnen Mais pro Hektar. Ein niederländischer Landwirt baut 80 Tonnen Mais pro Hektar an, mit nur fünf Monaten Sonne und ohne die fruchtbare Vulkanerde. Das ist der Unterschied zwischen etwas wachsen lassen und etwas einfach in den Boden stecken.“

Mutter Natur

Hoff kam bereits schnell der Grundgedanke zu seiner Lösung. „Morgens früh hat ein Baum nasse Blätter und das Gras ist dann auch nass. Weshalb sollte man die Pflanzen dann mit einem Tropfsystem bewässern. Die Natur macht das ja bereits mit dem Tau. Und Regen kommt schließlich auch aus der Luft.“ Das war denn auch die Lösung: Wasser aus der Luft für den Anbau von Bäumen verwenden. Die Natur selbst war die Lösung. Das galt auch für noch etwas anderes, entdeckte er. „Wenn wir einen Baum pflanzen wollen, graben wir ein Loch und stecken die Samen in die Erde. Mutter Natur gräbt kein Loch, wenn sie etwas aus der Erde wachsen lässt. Da beginnt es mit einem Samen, den der Wind mitführt oder der mit Tierkot auf die Erde gelangt.“

Kapillar

Der Samen entwickelt eine Stielwurzel, die auf der Suche nach Wasser senkrecht nach unten wächst. Die Erde selbst bleibt intakt. Und das hat einen Grund. In der Erde befindet sich ein kapillares, aus kreuz und quer angebrachten Kanälen bestehendes Wassertransportsystem, das über diese Kanäle mit dem Grundwasser in Verbindung steht. So kann das Wasser ungehindert von der Schwerkraft hochsteigen. „Wir vernichten das, die Natur nicht. Deshalb findet man in der Sierra Nevada 50 Meter hohe Bäume, die auf Felsen wachsen. 40 km westwärts muss man den Rebstöcken im Napatal hunderte Liter Wasser zuführen, damit sie überleben.“

Growboxx

Nach seiner bestandenen Prüfung in der Sahara sollte er mit seinem intelligenten Eimer noch zahlreiche Tests durchführen. 2016 bereits 52 in 33 Ländern. Entwicklung und Patente: das heißt hohe Investitionen. Es ging auch alles Mögliche „unendlich viele Male schief“. Häufig war der Anfang gut, sobald jedoch der ‚Anzuchteimer‘ der Bäume entfernt wurde, starben sie. Erst als ihm klar wurde, wie die Natur in der trockenen, heißen Gegend funktioniert, überlebten über 90 % der Bäume. Und damit fand er schließlich eine Lösung, mit der man mit erheblich geringerem Wasserverbrauch ein viel besseres Ergebnis erzielt. Kein Eimer aus Metall oder Kunststoff, sondern aus recyceltem, mit einem speziellen Coating versehenen Papier: die „Growboxx® Plant Cocoon“

Lotusblütenblatt

Der ‚Anzuchteimer‘ seines Unternehmens Groasis sieht wie eine überdimensionale Zitronenpresse aus, mit in der Mitte einem Loch für den Baum. Es ist eine intelligente Box, die selbst Wasser aus der Luft aufnimmt. Der praktische Deckel, der aussieht wie ein Lotusblütenblatt, erzeugt Kondensation und fängt Regenwasser auf. Morgentau und Regenwasser verschwinden anschließend unter dem Deckel. Man kann die Growboxx® als Wasserspeicher bezeichnen, der an den Baum täglich automatisch einen Schluck Wasser abgibt, etwa 50 cc. Das reicht gerade zum Überleben und regt dazu an, tiefe Wurzeln zu bilden und so nach zusätzlicher Feuchtigkeit und Nahrung zu suchen, anstatt faul auf den nächsten automatischen Schluck Wasser zu warten. „Nach einem Jahr ist die Wurzel über drei Meter tief und kann der Baum selbstständig überleben. Die Growboxx® löst sich allmählich auf. Sie wird von der Pflanze als Nährstoff aufgenommen.“

Mexiko

Bäume können in der Growboxx® sogar in allerextremsten Heißgebieten wachsen. In Mexiko, nahe der Grenze mit den USA. Dort war es im Vorjahr +48° C. Große Sandstürme, eine Hasenplage und wandernde Sandverwehungen. „Am einen Tag pflanzt man einen Behälter unter die Erde, am nächsten Tag steht er plötzlich ein Stück höher.“ Ob man‘s glaubt oder nicht: Nach einigen Monaten war das Ergebnis noch immer hoch: 94,8 Prozent lebende Bäume. „Mit Tropfbewässerung erreicht man dort nur bis 30 Prozent und dann erhalten sie täglich zehn Liter Wasser. Dennoch ist man dort überwiegend zurückhaltend. Man sieht es, will aber wissen, ob die Bäume in zwei, drei Jahren immer noch so gut dastehen.“

Gemüse

Das wäre dann das nächste Problem. Trockenheit und Armut sind enge Freunde. Landwirten in wirtschaftlich schwachen Ländern fehlt häufig das Geld zum Erwerb der Boxx. Wie er es auch versuchte: Die Welternährungsorganisation, die African Development Bank und all die anderen Banken und Organisationen investieren nicht in Menschen ohne Sicherheiten. Deshalb passte er die Idee der Growboxx® erneut an. Mit vier zusätzlichen Öffnungen für den Gemüseanbau. „Wir kombinieren das Anpflanzen von Bäumen mit dem Anbau von Gemüse. Es dauert fünf Jahre, bevor ein Obstbaum im wahrsten Sinne des Wortes Früchte trägt. Inzwischen können die Besitzer mit dem Gemüseanbau jedoch bereits nach drei Monaten Geld verdienen. Gurken, Tomaten, Auberginen, Kürbisse, Melonen - Kiloware, natürlich dürfen die Landwirte sie auch selbst essen.“ Nach einem Jahr des Gemüseanbaus können arme, auf dem Land lebende Familien die Kosten der Growboxx® bereits zurückverdient haben. „Das zusätzliche Gemüse ist eine technische Lösung für ein praktisches Problem.“

Besser als Apple und Porsche

Die Growboxx® gewann international verschiedene Preise. Unter anderem 2010 einen Award der Zeitschrift Popular Science, womit sie sogar den iPad von Apple und den Hybrid-Porsche 918 hinter sich gelassen hat. Die Box wurde weltweit als Wundermittel gesehen, um unfruchtbares Land erneut zum Leben zu erwecken. 2016 wurde sie zur ‚Nationalen Ikone‘ ausgerufen. Das ist ein Preis für bahnbrechende niederländische Innovationen. Wiederum gut für viel Publizität; Türen im Ausland, die sich plötzlich öffneten und Aufträge in 43 Ländern. Ach ja, sagt Hoff, der Big Bang, der entscheidende Anstoß: „Ohne Durchbruch ist es kein Erfolg, sondern ein Hobby.“ Er ergänzt: „Aber ein seriöses Hobby.“

CO₂-Diskussion

Der langersehnte Durchbruch hängt mit drei Entwicklungen zusammen, erklärt Hoff. Erstens: Ein Gleichgewicht zwischen dem Selbstkostenpreis und dem Nutzen für den Landwirt finden. Dieses Problem wurde mit dem Gemüseelement gelöst, sollte man denken. Zweitens: Die CO₂-Diskussion. 2008 veröffentlichte Hoff sein Buch: „The Treesolution. CO₂ is a gift from heaven“. Eine unerwartete Gegenmeinung, denn CO₂ wird überwiegend als Gift gesehen, obwohl es ein Lebensgas ist. Ein Baum nimmt CO₂ auf, weil er das ‚C‘ braucht. Das braucht er zum Wachsen. Dann bleibt O₂ übrig; Sauerstoff für den Menschen, Abfallstoff des Baumes. Bäume nehmen also CO₂ aus der Luft auf, sie reinigen die Luft. Das Problem ist ja auch nicht das CO₂, sondern dessen hohe, von Fabriken und Autos ausgestoßene Konzentrationen. „Würde man jetzt mal aus der Not eine Tugend machen“, meint Hoff, „und würde man sagen: He, mit CO₂ lässt sich auch Geld verdienen. Wenn man Bäume anpflanzt statt rodet.“ Insgesamt haben wir zwei Milliarden Hektar Boden entwaldet, ein Gebiet so groß wie Kanada, und das geht immer so weiter. So nimmt die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre ständig zu. Da es immer weniger Bäume gibt, um es aufzunehmen. Deshalb: Wir können das Klimaproblem lösen, indem wir die Welt neu bewalden.“

Eigene Belange

Die Treesolution ist eine praktische Idee, um die Niederlande innerhalb der nächsten zehn Jahre CO₂-frei zu machen. Für einen Bruchteil des Geldes, das andere dafür reservieren. Der niederländische Finanzminister Wiebes meint, das sei das Ende unseres Wohlstands. Das ist aber Quatsch. Das Anpflanzen von Bäumen würde den Wohlstand gerade stimulieren. Naturorganisationen wollen komischerweise nicht mitmachen. „Sie meinen, Bäume dürfe man nicht zur CO₂-Reduzierung einsetzen. Häufig befürchten sie, es werde dann als Ablass eingesetzt. Da der Mensch dann wie gewohnt weitermachen könne.“ Jede NGO scheint so die eigenen Belange zu vertreten, obwohl das Problem die ganze Welt angeht. „Wir sagen einerseits: Reduzierung, indem wir vor 2050 den Verbrauch fossiler Brennstoffe auf null reduzieren. Und inzwischen den Nettoausstoß von CO₂ vor 2030 auf null Prozent senken.

Das geht aber nur, wenn wir ausreichend Bäume pflanzen.“ Das hält er für eine Herausforderung: Erzählen, dass Menschen mit dem Anpflanzen von Bäumen mehr verdienen als mit dem Roden. „Natürlich erwarte ich nicht, dass wir nur mit dem Bäumepflanzen das Klima retten werden. Aber wir können so schon ein Teil der Klimalösung sein und gleichzeitig auch die Armut bekämpfen.“

Ernährungsrevolution

Und - zum Schluss - drittens, etwas, das Forscher schon längst wissen. 2025 werden laut UNO wohlgemerkt 48 Länder unter Wassermangel leiden. Da kann man für viel Geld versuchen, aus Seewasser Süßwasser herzustellen. Das hat allerdings enorme Auswirkungen auf die See, sagt Hoff. Die wird dann salziger und grüner, es entstehen Algen. Dieser Wassermangel in Kombination mit der zunehmenden Weltbevölkerung auf über 10 Millionen. Es gibt immer weniger Wasser, jedoch immer mehr Verbraucher. „Das Wasserproblem wird dann ein politisches Problem. Jede Regierung weiß, dass Nahrung nicht teuer sein soll. Sonst gibt es Aufstände. Deshalb ist eine Wasserbesteuerung tabu, denn das würde bedeuten, dass man dann viele Produkte nicht mehr herstellen könnte.“

Wein

Beispiel: „Ein Rebstock verbraucht 4000 Liter Wasser pro Jahr. Das sind täglich fünfzehn Liter, an 250 Tagen pro Jahr. Auf einem Hektar stehen 2500 Rebstöcke. Stellen Sie sich mal vor, ein Winzer müsste pro Liter einen Cent bezahlen. Das macht 40 Euro pro Stock. Und daraus entstehen höchstens zwei oder drei Flaschen Wein.“ Regierungen finden es sehr unangenehm, den Wasserverbrauch einzudämmen, weiß Hoff. Deshalb warten sie auf technische Lösungen zur Wassereinsparung bei Landwirtschaft und Viehzucht. Häufig erst dann, wenn eine Alternative vorhanden ist, werden gesetzliche Maßnahmen eingesetzt. „Vor 20 Jahren wurde in unserem Land für Tomaten Hydroponik entwickelt, das heißt, das Züchten von Pflanzen im Wasser. Seither darf man Böden nicht mehr mit Methylbromid vergasen. Der Staat wusste zwar schon länger, dass das ein schlechtes Mittel ist. Aber es gab keine Alternative“, erzählt Hoff. „Hydroponischer Anbau löste dieses Problem, wie die Growboxx® die Wasserverschwendung in der Landwirtschaft lösen wird; dann werden Regierungen die Tropfbewässerung - die gar nicht sparsam ist, wie man beim Weinanbau sieht - verbieten können.“

Kein Schiff mit nur einem Mast

Es beginnt mit einer Idee, eigentlich einer ganz einfachen Idee. Wenn er gewusst hätte, dass es fünfzehn Jahre dauern würde, bevor ein echtes Produkt entsteht, ja, dann hätte er vielleicht gar nicht damit begonnen. Er macht es nicht alleine. Bei Groasis hat er die Unterstützung von Freiwilligen und Experten, die ihm dabei helfen, die Mysterien zu lösen, wovon er selbst keine Ahnung hat. „Mich können Sie als geistigen Anfang bezeichnen, als einen Beharrenden, einen der aufsteht, wenn es schwierig wird; aber ohne all die anderen inspirierten und talentierten Menschen hätte es zu nichts geführt.“ Auch sein Sohn setzt sich für das Unternehmen ein. Er lebt in London und hat zwölf Jahre Erfahrung in der Unternehmenswelt - was hilfreich ist, wenn das Unternehmen später wächst. „Groasis ist kein Schiff mit nur einem Mast. Das Unternehmen wächst schnell. Solange wir nur neugierig und kritisch bleiben. Nicht aufhören, bevor es eine groß angelegte Sache wird. Jeder, der ein Ziel anstrebt, hat auch seine Tiefpunkte. Man muss sich von seinen Fehlern nicht abhalten lassen. Ob man nun Sportler ist, Student oder Unternehmer. Dann: „Es gibt mir so viel Erfüllung. Wir lassen Bäume wachsen, wo es sonst noch nie jemand geschafft hat.“

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