Sky Mirror for Hendrik, Anish Kapoor, collection De Pont.

Anish Kapoor und De Pont

De Pont

Tilburg ist die erste niederländische Stadt mit einer Skulptur des Künstlers Anish Kapoor im öffentlichen Raum. Wie hat Museum De Pont das geschafft? Die in der Brabant Brand Box enthaltenen Informationen dürfen kostenlos für positive Darstellungen von Brabant verwendet werden.

Anish Kapoor bringt in Tilburg „den Himmel auf Erden“

Die Weltstadt Chicago hat eins, London auch, und Houston, und...Tilburg! Ein monumentales Werk des berühmten britischen Künstlers Anish Kapoor. Es schmückt den Vorplatz vor Museum De Pont: eine über sechs Meter hohe Skulptur aus Edelstahl - Kapoors erster rechteckiger „Himmelspiegel“. Wie kann ein nicht subventioniertes, privates Museum in einer mittelgroßen Stadt in Brabant so etwas schaffen?

Dass Tilburg die erste niederländische Stadt mit einer Skulptur von Kapoor im öffentlichen Raum ist, hat mit dem 25. Geburtstag von Museum De Pont zu tun. Das international renommierte Museum für zeitgenössische Kunst wurde nach dem in Tilburg geborenen Geschäftsmann Jan de Pont benannt, aus dessen Nachlass eine Stiftung „zur Förderung zeitgenössischer Kunst“ gegründet wurde. Es ist in einer ehemaligen Wollspinnerei untergebracht. Davon hat Tilburg mehrere. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Stadt durch die Textil- das heißt, vor allem die Wollstoffindustrie groß. Museumsdirektor Hendrik Driessen hat seit 1992 die Aufgabe, die enorme Fläche - fast 6000 m2 - zu füllen.

Künstler brauchen kritische Betrachtung

Die Weise, worauf Driessen diese Aufgabe meisterte und meistert, erklärt, weshalb Anish Kapoor sehr gern bereit war, für Museum De Pont ein Kunstwerk zu fertigen, für, laut Driessen, „einen Bruchteil dessen, was ein Künstler wie er heute dafür verlangen könnte“. De Pont baut eine Beziehung mit Künstlern auf, von denen Werke gesammelt und ausgestellt werden. „Es ist für Kunstschaffende wichtig, dass das Werk in einem für sie interessanten Kontext gezeigt wird“, erzählt Driessen. „In der Regel können Künstler darauf wenig Einfluss nehmen. Zu Anfang einer künstlerischen Karriere finden Gespräche über das Werk schon noch statt, aber wenn die Bekanntheit zunimmt, wird es schwieriger, obwohl Kunstschaffende immer noch eine kritische Betrachtung brauchen. Mit Anish Kapoor habe ich solche Gespräche von Anfang an geführt und wir führen sie noch immer.“

Sky Mirror for Hendrik, Anish Kapoor, collection De Pont.
Foto: Peter van Trijen
Museum de Pont, WeerZien, foto: Peter van Trijen voor Brabant Brand Box
Foto: Peter van Trijen

Kapoor war bereit, für Museum De Pont ein Kunstwerk zu fertigen, für einen Bruchteil dessen, was ein Künstler wie er heute dafür verlangen könnte

De Pont, Tilburg, foto: Peter van Trijen
Foto: Peter van Trijen

Zeitgenössische Kunst beschäftigt sich nie mit dem Gestern

Der Anfang: Das war, als Kapoor in einer der „Wollkammern“ des Museums Descent into Limbo/Abstieg in die Vorhölle schuf. Auf den ersten Blick wenig mehr als ein schwarzer Kreis in der Mitte des Fußbodens. Aber wer länger hinschaut, sieht ein tiefschwarzes Loch von ungewisser Tiefe. In dieser Periode entsteht eine Beziehung zwischen Kapoor und De Pont. Hendrik Driessen: „Wir wollten gern einige Kunstwerke haben, die eine Verbindung zwischen diesem Ort und dem Museum schaffen würden. Kunst ist für uns eine Investition in die Zukunft und keine Investition mit dem Ziel der Wertschöpfung. Die von uns erworbenen Werke gehören auch echt zu uns.“ Dabei ist von Anfang an der Ausgangspunkt: Biete den Besuchern das Beste, was du bieten kannst. Und das ist laut Driessen nicht immer das, was Menschen auch sofort gefällt. „Das ist ja der Kern zeitgenössischer Kunst, dass es nie das ist, was man davon erwartet hätte. Es geht um neue Entdeckungen und Entwicklungen, um neue ästhetische Normen, ums Fragen stellen. Es geht um alles Mögliche, aber nie um das Gestern. Entscheidet man sich für Erneuerung, weiß man, dass ein großes Publikum nicht selbstverständlich ist.

Schlüsselwerk

Ein anderer Ausgangspunkt von De Pont: Nicht breit sammeln, sondern mehrere Werke von einer kleinen Auswahl an Kunstschaffenden erwerben. Dazu zählen inzwischen viele bekannte Namen: Marlene Dumas, Richard Serra, Richard Long, Bill Viola, Sigmar Polke, Ai Weiwei und so auch Anish Kapoor. Driessen ist loyal gegenüber „seinen“ Künstlern: Er folgt ihrer Arbeit und sammelt ihre Werke auch weiterhin. „Wir können jedoch nicht mit allen so weitermachen, wie wir das gern hätten, manche Künstler werden uns einfach zu teuer. Deshalb versuchen wir, auf jeden Fall ein Schlüsselwerk zu erwerben, ein Werk, das die Essenz des künstlerischen Könnens zeigt.“

So ein Schlüsselwerk war beispielsweise die Skulptur von Anish Kapoor, die Hendrik Driessen vor etwa zehn Jahren in New York sah. „Anish war von der Arbeit mit Stein und Pigment auf Edelstahl umgestiegen und ich fand das großartig. Aber das Werk war viel zu teuer für ein relativ kleines, finanziell unabhängiges Museum wie das unsrige. Einige Jahre später sah ich dieselbe Skulptur auf einer Ausstellung in London und dachte wieder: Die müssten wir haben! Aber der Preis war noch immer zu hoch, etwa das Fünffache unseres jährlichen Ankaufsbudgets. Trotzdem bin ich mal bei ihm vorbeigegangen...”
Mit Erfolg. Mit Unterstützung der Museumleitung, von Anish Kapoor und dessen Galerie gelang es Driessen 2010, das Spiegelwerk Vertigo (2008) zu erwerben. Auch dieses Werk - ein Publikumsliebling - spielt mit der Wahrnehmung der Museumbesucher: mit jedem Schritt, den man setzt, sieht man etwas anderes und das ist nie das, was man erwartet.

Samen

Driessen vereinbart mit Kapoor die Zusammenstellung einer Ausstellung rund um den neuen Ankauf „um zu zeigen, woher das Werk stammt“. Es wird eine der meistbesuchten Ausstellungen der Geschichte des Museums De Pont. Im selben Jahr 2012 gibt es eine Ausstellung von Chinas derzeitig bekanntestem Künstler Ai Weiwei. Hendrik Driessen: „In Besucherzahlen war das eins unserer allerbesten Jahre.“ In der Periode fällt auch der Samen für das Vorhaben von Driessen und Kapoor, um irgendwann gemeinsam etwas Großes entstehen zu lassen...

Das geschah dann beim silbernen Jubiläum von De Pont. Die Gemeinde Tilburg hatte dem Museum als Geburtstagsgeschenk eine erhebliche Summe zur Verwirklichung eines Kunstwerks auf dem Vorplatz des Museums in Aussicht gestellt. Kapoor sagt, er habe keine Sekunde darüber nachdenken brauchen, als Hendrik Driessen ihn gefragt habe, ob er für das jubilierende Museum ein Kunstwerk machen könne. Das Werk wurde letztendlich durch Beiträge des Künstlers selbst, des Museums und eine gemeinsame Schenkung von Gemeinde, Kulturfonds Brabant C sowie Privatpersonen und Unternehmen der Stadt ermöglicht. Bei gegenseitigen Besuchen entstand die Idee eines rechteckigen „Himmelspiegels“.

Driessen: „Anish wollte den Himmel auf Erden bringen und etwas schaffen, das in die holländische Tradition der Landschaftsmalerei mit Wolkenformationen passt. Himmelspiegel hat Kapoor bereits öfter gemacht; Cloud Gate im Millenium Park in Chicago ist der bekannteste. Aber dies ist sein erster rechteckiger. Er entwirft die Skulptur in seinem Studio: eine verbogene, nach hinten geneigte Stahlplatte von etwa sechseinhalb Metern Höhe mit einer spiegelnden Vorderseite und einer rauen, unpolierten Rückseite. Wie so ein Werk dann am endgültigen Standort wirkt, ist auch für den Künstler jedes Mal eine Überraschung.“

Der Himmel über Tilburg

Im September 2017 wurde die in Groningen hergestellte und in London polierte Platte mit einem großen Kran aufgestellt. Um einen Sicherheitsabstand zu Besuchern zu gewährleisten, wurde ein spezieller, von Kapoors Ehefrau Sophie Walker entworfener Wassergarten eingerichtet. Das Werk ändert sich mit dem Himmel über Tilburg und bewegt sich leicht im Wind. Der Künstler nennt es Sky Mirror (for Hendrik) - als Ehrenerweisung für Driessen und das Museum, das ihn - wie er sagt - immer unterstützt habe.

Museum de Pont, Hendrik Driessen, foto: Peter van Trijen
Foto: Peter van Trijen

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