Tilburg: Die soziale Stadt

Tilburg wurde dank der Textilindustrie groß und galt jahrzehntelang als eine echte Arbeiterstadt. Dank verschiedener Gebietserschließungsmaßnahmen ist die Stadt heute angesagter denn je. Aber Tilburg will noch immer eine integrative Stadt sein, eine Stadt für alle.

Die Inhalte der Brabant Brand Box dürfen kostenlos für positive Darstellungen von Brabant verwendet werden.

Tilburg ist eine Stadt mit einem sozialen Gesicht. Hier wurde Jantje Beton gegründet (1968, eine Organisation, die sich für mehr Einrichtungen zum draußen spielen für Kinder in den Niederlanden einsetzt) und hier entstand auch die „Grote Club Actie“ (1972, eine Lotterie zur Unterstützung von niederländischen Vereinen). Jahrelang fand hier das Festival Mundial statt, und die jährliche Kirmes (eineinhalb Wochen) spricht ein breites Publikum an.

In den 1960er Jahren, als Tilburg nach dem Niedergang der Textilindustrie eifrig nach Möglichkeiten zur Wiederbelebung der Wirtschaft suchte, musste manches historische Gebäude das Feld räumen. Was an deren Stelle trat, hat der Reputation von Tilburg nicht gerade gutgetan. Diese Zeit ist jedoch längst vorbei. Heute geht es bei der Gestaltung der Stadt gerade um Respekt vor der Vergangenheit. Und Tilburg wäre nicht Tilburg, wenn es dabei nicht auf alle Schichten der Bevölkerung abzielte.

Foto: Marc Bolsius

Der Ruf von „Wollstadt“ und „Arbeiterstadt“ ist inzwischen überholt.

Integrative Stadt

Tilburg entstand aus einer Reihe von Weilern, sogenannten „Herdgangen“. Die alten Dorfkerne finden sich noch immer in den Namen alter Stadtviertel wie Oerle, Korvel und Broekhoven. Dank der Schafzucht entwickelte sich Tilburg um 1600 zur wichtigsten Wollstadt in Brabant. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Tilburg durch die Textilindustrie groß. 1871 gab es in der Stadt nicht weniger als 125 Wolltuchfabriken.

Doch der Ruf von „Wollstadt“ und „Arbeiterstadt“ ist inzwischen überholt. Heute ist Tilburg eine Stadt mit einer Universität, vielen weiteren Bildungseinrichtungen, mit Unternehmen wie Tesla, vielen Online-Unternehmen und kreativen Machern sowie mit einem großen Logistiksektor (zusammen mit Waalwijk darin die Nummer eins in den Niederlanden). Dennoch strebt Tilburg nach wie vor danach, eine Stadt für alle zu sein. „Tilburg will eine integrative Stadt sein“, heißt es in den Etatplänen der Stadtverwaltung. „Eine Stadt, in der die Menschen den Freiraum haben, ihre Talente so umfassend wie möglich zu nutzen, unabhängig von Alter, Behinderung, Herkunft oder Ausbildung.“

Piushaven

Sehen wir etwas genauer hin. Wenn es eine Person gibt, die in allen Details miterlebt hat, wie sich das Gebiet Piushaven veränderte, dann ist es Mery Schel. Sie arbeitet bereits seit vierzig Jahren(!) für die Gemeinde Tilburg, seit 2003 als Mitarbeiterin im Besucherzentrum direkt am Wilhelminakanal (fertiggestellt 1923). „Früher fand ich es hier unheimlich“, sagt Mery Schel. „Da lagen all die Schiffe, festgemacht am Kai, und es war hier sehr dunkel.“ Wie viel hat sich seitdem verändert. „Im Lauf der Jahre hat sich dieses Gebiet sehr positiv entwickelt, wie eigentlich ganz Tilburg. Heute ist der Piushaven ein lebendiges Gebiet, in dem die Menschen leben, arbeiten und Spaß haben. Und sie alle genießen die Lage am Wasser.“ Auf beiden Seiten des Kanals wimmelt es von Geschäften, Restaurants und Bars. Der Blickfang ist die „Stadsbrouwerij 013“, 1935 gestaltet im Stil der „Amsterdamer Schule“, von dem vielseitigen Tilburger Architekten Jos Schijvens – genannt „De Amsterdamse Boot“ – da sie tatsächlich an ein Schiff erinnert.

Dwaalgebied

Oft sagt ein Name sehr viel. Das gilt auch für das sogenannte „Dwaalgebied“ (zu Deutsch etwa „Umherschweifgebiet“), westlich des Zentrums von Tilburg gelegen. Ein Viertel, in dem es sich wundervoll... ja, eben. Hier haben sich vor allem kleine Unternehmungen niedergelassen – und das sorgt für eine angenehme, freundliche Atmosphäre. Das fröhliche Gelächter, das aus einem der Häuser auf die Straße dringt, kommt von acht Frauen, die gerade gemeinsam kochen, alle mit einer blauen Schürze um. Eine der Frauen gibt den Ton an. Das ist wahrscheinlich Maud – denn es geht um Kochstudio „Bij Maud“.

Die Metzgerei Leo Lejeune besteht bereits seit 1906. Spielzeug kauft man bei „Het zingende Nijlpaard“ (Das singende Nilpferd) und für Theater- und Musik besucht man „De Nieuwe Vorst“. Manche Fassaden ziert Straßenpoesie, wie das Gedicht „Blnde vlek“ (Blinder Fleck) In dem mit Absicht Buchstaben ausgelassen sind. Vergessen Sie beim „umherschweifen“ nicht, sich regelmäßig umzusehen. Denn hier reiht sich ein stattliches Bürgerhaus aus vergangenen Zeiten an das andere.

Wer kann der Versuchung widerstehen, beim Stadtcafé De Spaarbank (denkmalgeschütztes Gebäude aus dem Jahr 1910) oder beim Pub „Steck 013“ Platz zu nehmen? Auf diesem Platz kommen fünf Straßen zusammen – also muss man beim Überqueren aufpassen. Die Studentinnen Nicole und Veerle haben sich ihren eigenen „Platz an der Sonne“ kreiert, indem sie einfach ein paar Stühle nach draußen gestellt haben. Eine von ihnen studiert Personalmanagement, die andere Krankenpflege – schließlich ist Tilburg auch eine Studentenstadt. Nicole beschreibt die Menschen in Tilburg als „super nett" und laut Veerle fühlt sich Tilburg wie ein Dorf an: „Man kennt jeden Studenten. Die Hälfte von ihnen hat nicht mal ein Fahrrad, weil hier alles so nahe ist.“ Nicole: „Das Wohnen ist hier erschwinglich und auch das Ausgehen ist um einiges günstiger als in den Städten im Westen des Landes.“

LocHal

Sehr schön kommt das Streben nach Integration in der „LocHal“ zum Ausdruck. Seit seiner Eröffnung Anfang 2019 übt dieses Gebäude (im Gleisgebiet, wo in den kommenden Jahren viele neue Gebäude entstehen werden) große Anziehungskraft auf Besucher aus Tilburg und weit darüber hinaus aus. Es hat schon viele Preise gewonnen, unter anderem den Preis als „schönstes Gebäude der Welt" des World Architecture Festival. Es handelt sich um eine 18 Meter hohe Halle, in der früher Lokomotiven repariert wurden und in der heute unter anderem die Bibliothek untergebracht ist. Der Kran, mit dem die Lokomotiven angehoben wurden („Nutzlast: 16.000 kg.“) hat seinen angestammten Platz behalten.

„Die Bibliothek, in der man still sein muss, hat ihre Zeit gehabt“, sagt Direktor Peter Kok. „Die Bibliothek von heute ist ein Ort, der verschiedene Organisationen beherbergt, die sich die Räumlichkeiten teilen.“ Hier gibt es kaum Wände, dafür aber Vorhänge von 15 Metern Höhe und 45 Metern Breite (hergestellt vom örtlichen TextielMuseum). Die Bibliothek (Finalist in der Wahl zur „Besten öffentlichen Bibliothek der Welt 2019“) ist ab acht Uhr geöffnet, weil dann die Nachtunterbringung für Obdachlose schließt und diese dann hier ihr Handy aufladen, die Zeitung lesen und Kaffee trinken können. Die „Fuck-Up-Meetings“ (jemand erzählt von seinem größten Fehlschlag in seinem Leben) werden sehr gut von 20- bis 30-jährigen besucht. „Studenten und Schüler lernen hier gerne, Professoren sowie Omas und Opas mit ihren Enkeln kommen auch sehr gerne,“ sagt Kok. „Wir sind das Wohnzimmer und das Studierzimmer der Stadt. Hier fühlen sich alle zu Hause.“ Genau, wonach alle in Tilburg verlangen.

Fakten und Zahlen

  • Einwohnerzahl 2019: 217.000
  • Beinamen: „Wolstad“ (Stadt der Wolle), Name zu Karneval: Kruikenstad (früher urinierten die Tilburger in Krüge. Den Urin verwendete die Textilindustrie, um Wolle zu waschen. Die Tilburger werden daher auch „Kruikenzeikers“ (Krugpisser) genannt.
  • Stadtrechte seit: 1809.
  • Stichworte: sozial x experimentell = Kreation
  • Bedeutendster Blickfang: Westpoint, Sky Mirror (Kunstwerk von Anish Kapoor), LocHal.
  • Bekannte Tilburger: Leo Alkemade (Kabarettist), Kenny B (Sänger), Steven Brunswijk (Kabarettist), Peerke Donders (Priester), Roy Donders (Modedesigner), Marc-Marie Huijbregts (Kabarettist), Henk Krol (Politiker), Guus Meeuwis („), Jochen Otten (Comedian).

Für weitere Informationen siehe:

Artikel zuletzt aktualisiert am 20 Februar 2020.

Informiert bleiben

 
 Breda: Die gastliche, grüne Stadt | Brabant Brand Box

Breda: Die freundliche, grüne Stadt

Breda ist eine Stadt, in der Geselligkeit und Kreativität Hand in Hand gehen. In der man selbst mitten im Zentrum überraschend viel Grün findet.

Eindhoven: Die kreative Stadt

’s-Hertogenbosch: Die gastfreundliche Kulturstadt des Südens

’s-Hertogenbosch, oder „Den Bosch“, ist eine Stadt mit menschlichem Charakter. Gleich wo Sie herkommen und wer Sie sind, Sie werden gastfreundlich empfangen. Und die Einwohner von ’s-Hertogenbosch (die „Bosschenaren“) sind stolz auf ihre Stadt.

 

Selbstverständlich verwenden wir Cookies!

Cookies tragen zur einwandfreien Funktion der Website bei. Und mit Cookies haben wir die Möglichkeit auch andere interessante Geschichten rund um Brabant mit Ihnen zu teilen – über Werbung auf Social Media und andere Websites. Einverstanden? 

Mehr erfahren über Cookies und wie wir mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen?